Kredit/Finanzierung

Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Kreditversicherungssparte

Drohen Deckungsverluste? Sind Forderungen noch abgesichert? Schadenfälle exkludiert? Und was bedeuten weitere Sanktionen?

Die drängendsten Fragen der Mandantinnen und Mandanten der Ecclesia Credit rund um die Deckung ihrer Exportforderungen in die Ukraine, nach Russland und Belarus haben wir hier gesammelt. Und wir geben erste Antworten.

Viele Unternehmen stellen sich die Frage, wie (und ob überhaupt) ihre Forderungen bei einem Ausfall im Zusammenhang mit einem wirtschaftlichen oder politischen Risiko in diesem Krieg in der Ukraine abgesichert sind.

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt darauf keine einheitliche Antwort; hier muss das Bedingungswerk der jeweiligen Versicherungspolice betrachtet werden – mit Blick auf folgende Punkte:

Allgemeine Haftungsausschlüsse

Zunächst greifen die allgemeinen Haftungsausschlüsse, und es ist festzuhalten, dass Forderungsausfälle auf Grund von kriegerischen Ereignissen nicht grundsätzlich ausgeschlossen sind. In vielen Bedingungswerken ist allerdings geregelt, dass eine kriegerische Auseinandersetzung und dadurch begründete Forderungsausfälle zu einem allgemeinen Haftungsausschluss führen kann, sofern dies auf Grund eines Krieges zwischen einem oder mehreren der fünf Großmächte (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China) eintritt. Diese Konstellation ist glücklicherweise derzeit noch nicht eingetreten, und dies wird hoffentlich auch so bleiben.

Politisches Risiko

Die Absicherung des politischen Risikos gilt, sofern im Vertrag vereinbart, grundsätzlich nur für Ausfälle außerhalb des Landes des Versicherungsnehmers und zielt in der Warenkreditversicherung auf mehrere Aspekte ab, die sich im Wesentlichen auf zwei Punkte beziehen:

  1. Absicherung eines Staatsbankrotts (Sovereign Risk), bei dem der Versicherungsnehmer Forderungen gegenüber staatlichen Behörden wie zum Beispiel Ministerien oder ähnliches hat, und
  2. die Störung des Zahlungsverkehrs aus dem Land des Kunden in das Land des Versicherungsnehmers auf Grund von Devisenproblemen oder staatlicher Anordnung.

In der aktuellen Situation ist insbesondere der zweite Punkt in Bezug auf die Ukraine und in Bezug auf Russland sowie Belarus (Sanktionen) ein realistisches Szenario, das es zu beachten gilt angesichts der Entscheidungen der russischen Regierung zur Reglementierung des Devisentransfers.

Mittlerweile ist aber auch der erste Punkt in verschiedenen Annahmen nicht komplett ausgeschlossen worden. Das gilt es zu beobachten.

Neben den Bedingungen des individuellen Vertrags gilt es hier auch, die Länderlisten und deren Bedingungen zu berücksichtigen.

Nichtzahlungstatbestand (Protracted Default)

Der Nichtzahlungstatbestand (und auch die Insolvenz) als Eintritt des Schadenfalls steht erst einmal für sich alleine, muss aber im Kontext mit den weiteren Regelungen des Versicherungsvertrages und der Versicherungsbedingungen gesehen werden – mit der Fragestellung, was der kausale Auslöser des Versicherungsfalles ist und ob dieser dann gemäß der Police versichert wäre.

Kommt es also zu einer Nichtzahlung Ihres Kunden auf Grund einer staatlichen Anordnung, dann muss geprüft werden, ob dieser Tatbestand im Rahmen des politischen Risikos inkludiert ist und zusätzlich nicht durch einen allgemeinen Haftungsausschluss ausgeschlossen ist.

Sanktionsklauseln

Seit mehreren Jahren haben die Versicherer sogenannte Sanktionsklauseln in die Verträge aufgenommen, die besagen, dass Forderungsausfälle nur entschädigt werden, sofern mit der Warenlieferung oder Dienstleistung nicht gegen Sanktionen verstoßen wird. Hierbei müssen verschiedene Ebenen beachten werden wie zum Beispiel Länder-, Personen- oder Waren-/Dienstleistungssanktionen. Dies zu prüfen, liegt in der Verantwortung des Versicherungsnehmers.

Sollte im Rahmen einer Schadenprüfung festgestellt werden, dass man mit dem unterlegten Geschäft gegen solche Sanktionen verstoßen hat, darf der Versicherer keine Entschädigung leisten.

Dies kann bei neuen Sanktionen dazu führen, dass bereits versicherte Forderungen nicht mehr entschädigt werden dürfen. Im Rahmen der aktuellen Entwicklung bezüglich der internationalen Sanktionen gegen Russland und Belarus beziehungsweise gegen russische Unternehmen und Personen sollte dies geprüft werden. Unsere Expertinnen und Experten stehen Ihnen hierbei natürlich zur Seite.

Wie geht es weiter?

Die Versicherer haben mittlerweile de facto die Deckungen auf russische Unternehmen für das Exportgeschäft aufgehoben, beziehungsweise neue Lieferungen werden nur nach individueller Prüfung der Sachlage freigegeben. Dies gilt im Übrigen auch für eventuell mögliche Lieferungen gegen Vorkasse, bei denen die eingehenden Gelder nicht auf die ältesten und versicherten Forderungen angerechnet werden sollen. Das gilt es immer zu beachten.

Weitergehende Fragen?

Gerne steht Ihnen das Team der Ecclesia Credit bei der Beantwortung von konkreten Fragen in Bezug auf Ihren Versicherungsvertrag zur Verfügung. Sprechen Sie uns gerne direkt an.

 

Über Ecclesia Credit

Ecclesia Credit bündelt das Know-how vier führender Kreditspezialisten (CFG Finance Gruppe, km credit consulting, deas Deutsche Assekuranzmakler, SCHUNCK GROUP) unter einer Dachmarke. Die bestehenden Marktpositionen werden so weiter gefestigt und das vorhandene Kundendienstleistungsportfolio bedeutend erweitert. Ecclesia Credit ist eine Marke der Ecclesia Gruppe, Deutschlands größtem Versicherungsmakler für Unternehmen und Institutionen.

Mit rund 60 Spezialistinnen und Spezialisten der Finanz- und Versicherungsbranche stellt Ecclesia Credit ein Team bereit, das die branchenspezifischen Risiken kennt und auf langjährige Branchenerfahrung mit fundierter Fachausbildung und hervorragendem Netzwerk zurückgreift.

Motivation, Verlässlichkeit, Zusammengehörigkeit und Professionalität bilden das Fundament von Ecclesia Credit. Die Kundenperspektive steht dabei immer im Mittelpunkt des Handelns. Ecclesia Credit bietet als exklusiver Partner der International Credit Brokers Alliance (ICBA) für Deutschland und Österreich einen exzellenten Service weltweit.

Diesen Beitrag teilen