Gebäude/Inventar/Vorräte

Möglicher Gasstopp: Die Risiken eines Versorgungsausfalls

Durch den Krieg in der Ukraine steht Europa vor der Herausforderung, eventuell Gas im Winter rationieren zu müssen. Das könnte besonders in der Industrie zu Betriebsunterbrechungen führen. Diese sind allerdings nicht versicherbar.

Thomas Hergarten, Spartenleiter für Sachversicherungen der deas Deutsche Assekuranzmakler GmbH, erläutert die Hintergründe. 

 

Der mögliche Ausfall von Gaslieferungen würde große Auswirkungen für unsere Kunden haben. Aber kann dabei der Versicherungsschutz aus einer Ertragsausfallversicherung helfen? Die Grundvoraussetzung für Versicherungsschutz ist dabei ein Sachschaden an einer dem jeweiligen Betrieb dienenden Sache. Fällt zum Beispiel aber die Gasversorgung aus, entsteht im Regelfall kein Sachschaden. Das hat zur Folge, dass auch der Ausfallschaden nicht versichert ist. Derartige Ausfälle müssen die Unternehmen dann selber tragen. Das Problem einer Mangelversorgung ist nicht über den Risikotransfer an Dritte zu übertragen, sondern muss unternehmerisch oder letztlich politisch gelöst werden.

 

Prävention: Frostschäden verhindern
Können Gebäude nicht ausreichend beheizt werden, kann es zu grundsätzlich versicherten (Frost-)Schäden kommen, die im industriellen Bereich hoffentlich Einzelfälle sein werden. Durch geeignete Maßnahmen kann aber individuelle Vorsorge getroffen werden, damit derartige Schäden möglichst nicht entstehen beziehungsweise ihre Auswirkungen so gering wie möglich gehalten werden. Auch bei solchen Fragen der Prävention unterstützt die deas ihre Kunden – unter anderem durch Kooperationen mit auf vernetzte Detektionstechnik spezialisierten Partnerunternehmen. 

 

Keine Lösung: non damage Business Interruption
In der derzeitigen Situation wird der Ruf nach einer „sachschadenunabhängigen“ Unterbrechungsversicherung wieder laut – der sogenannten non damage Business Interruption (NDBI). Als Interessenvertreter unserer Kunden in allen Versicherungsangelegenheiten prüfen wir auch diese Deckungen. Allerdings muss man dazu sagen: Zum einen sind die Möglichkeiten dieser Versicherung sehr begrenzt, zum anderen die Selbstbehalte recht hoch, und die Preisvorstellungen der wenigen Anbieter treffen nur in Ausnahmefällen das Interesse der jeweiligen Kunden. Ferner wird – anders als in normalen Versicherungsverträgen – bereits im Vorfeld definiert, welche Leistung beim Eintreten bestimmter, vorher festgelegter Parameter zu erbringen ist. In der aktuellen Situation wird genau für diesen Sachverhalt daher keine Versicherungsleistung mehr zu erhalten sein, denn niemand hat diese Entwicklung in ihren Ausmaßen vorherdenken können. 

 

Umstellung auf andere Brennstoffe
Eine Umstellung von Gas zum Beispiel auf Öl ist im Einzelfall mit großen technischen Herausforderungen verbunden und teilweise schlicht „unmöglich“. Ob dies im Hinblick auf die zeitlichen Rahmenbedingungen gelingt, ist zusätzlich fraglich. Können die technischen und zeitlichen Herausforderungen gemeistert werden, stellen sich weitere Fragen: Gibt es möglicherweise seitens der Behörden zusätzliche Auflagen, die erfüllt werden müssen (zum Beispiel Brandschutz oder Umweltschutz)? Dies wird in erster Linie davon abhängen, wie groß die Tanks sind, die den Ölvorrat aufnehmen sollen. Zeitnah ist auch der Versicherer zu informieren, denn die Gefahrenlage kann sich hierdurch erheblich ändern. Im Hinblick auf die Umwelthaftpflichtversicherung ist zu prüfen, ob die Öltanks bereits pauschal im Rahmen der Umwelthaftpflichtversicherung mitversichert sind oder – insbesondere bei größerem Tankvolumen – ob eine separate Abstimmung mit dem Versicherer hierüber getroffen werden muss. Der Sachversicherer ist in jedem Fall über die geänderte Situation in Kenntnis zu setzen, denn aus der Lagerung von Öl könnte sich eine Gefahrerhöhung ergeben. Ob damit eine Änderung der Prämie einhergeht oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu treffen sind, ist vom jeweiligen Einzelfall abhängig.

 

Versicherung bei Auslagerung der Produktion
Um die Lieferfähigkeit zu erhalten, können gasintensive Produktionsschritte an Fremdunternehmen vergeben werden, die einen anderen Energieträger nutzen. Ob damit das spezifische Know-how preisgegeben wird, sollte bei der Entscheidung eine gewichtige Rolle spielen. Wenn Teile der Produktion ausgelagert werden, dann ist sicherzustellen, dass die Ertragsausfälle, die durch einen Sachschaden bei dem Fremdunternehmen entstehen, weiterhin vollständig versichert sind. Hier reicht es nicht aus, den Versicherer zu informieren. Zusätzlich muss geprüft werden, ob für diese so genannten Rückwirkungsschäden ausreichender Versicherungsschutz im Rahmen der Ertragsausfallversicherung besteht. Wenn nicht, sollte dieser Versicherungsschutz entsprechend erweitert werden.

 

Bei derartigen Maßnahmen sollte auch der Haftpflichtversicherer informiert werden. Die Aufspaltung von Produktionsprozessen durch Fremdvergabe einzelner Produktionsschritte kann Auswirkungen auf die Risikobewertung des Haftpflichtversicherers haben. Je nach Einzelfall kann sich dies risikomindernd auswirken (durch die Vergabe einzelner Produktionsschritte an Dritte, die gegebenenfalls auch für eigene Fehler haften können), allerdings kann auch die Zunahme von Schnittstellen in der Produktion als risikoerhöhend bewertet werden.

 

Hinweise zum Stilllegen von Produktionen 
Die Stilllegung von Betrieben oder Betriebsteilen ist vielen Unternehmen aus den Zeiten zu Beginn der COVID-19-Pandemie hinreichend bekannt. Diese Hinweise gelten unverändert auch bei einem möglichen Produktionsstopp, sollte die erforderliche Energie nicht oder nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Was ist zu beachten? In jedem Fall ist die Sicherheit wichtig – also Schutz gegen Unbefugte etc. Auch müssen die Sicherheitseinrichtungen – insbesondere Sprinkler- oder Brandmeldeanlagen – weiterhin funktionstüchtig sein. Sofern die Gebäude nicht beheizt werden, sollte auch über ein Entleeren von Wasserleitungen nachgedacht werden, damit keine Frostschäden entstehen. In Abhängigkeit von der Prozesstechnik können besondere Maßnahmen bei der Wiederinbetriebnahme oder beim Hochfahren von Anlagen erforderlich sein. Sprechen Sie dazu gerne Ihre Ansprechpartnerin oder Ihren Ansprechpartner bei deas an. Wir helfen Ihnen weiter

 

Unsere Lösungen
Damit der Versicherungsschutz nicht verloren geht oder eingeschränkt wird, sollten Sie bei Änderungen unsere Expertinnen und Experten der deas informieren. Wir überlegen dann gemeinsam mit Ihnen, welche Schritte geeignet erscheinen und wir informieren für Sie den Versicherer. Ob sich die Gefahrenlage für den Versicherer erhöht oder – bei zeitweise Stilllegung von Betriebsteilen – minimiert, werden wir in Ihrem Sinne diskutieren und einen Lösungsvorschlag erarbeiten. Die Situation ist für jedes Unternehmen sicherlich unterschiedlich. Daher werden auch die Erfordernisse aus dem Blickwinkel „Versicherung“ unterschiedlich ausfallen. 

 

Sprechen Sie uns gerne an, wir beraten Sie in dieser besonderen Situation!
 

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