Sach-, Ertragsausfall- und Technische Versicherungen

Die Windrichtung bleibt – die Windstärke nimmt ab

SACH- UND ERTRAGSAUSFALLVERSICHERUNG

Schon fünf Jahre lang zeigt sich der Sachversicherungsmarkt stark verhärtet. Die Versicherungsgesellschaften haben sich darauf eingerichtet. Ist jetzt alles „business as usual“? Nein: Industrieunternehmen erwarten einen gewissen Wettbewerb und Möglichkeiten zu Alternativen und damit einhergehend eine längerfristige Perspektive. Der Ausblick auf die anstehende Markterneuerungsphase zeigt: Gut aufgestellte und vorbereitete Unternehmen können sich abzeichnende neue Möglichkeiten zu ihrem Vorteil nutzen. Wir sind dabei an Ihrer Seite. 
 

Rückblick: Flutkatastrophe prägte das Jahr 2021 

Anders als in den Vorjahren hatte ein einziges Ereignis eine überragende Bedeutung für den deutschen Versicherungsmarkt des Jahres 2021. Die Starkregenfälle mit den verheerenden Überschwemmungen im Juli 2021 kosteten nicht nur mehr als 180 Menschenleben, sondern führten zu den größten bisher bekannten Schäden. Die Versicherungswirtschaft beziffert den Aufwand mit mehr als 8 Milliarden Euro, von vielen Risikoträgern wird diese Naturkatastrophe als „das teuerste Ereignis der Unternehmensgeschichte“ bezeichnet. Die meisten der direkt Betroffenen leiden immer noch unter den Folgen, und es ist derzeit noch kaum abzuschätzen, wann die sichtbaren Schäden komplett beseitigt sein werden. 

Darüber hinaus gab es eine unverändert hohe Zahl an Millionenschäden durch Feuer beziehungsweise Explosionen, die sich auf das Geschäftsergebnis der Assekuranzgesellschaften negativ auswirkten. So schätzt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die kombinierte Schaden-Kosten-Quote für die Sachversicherung (Bereiche Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft) für das Jahr 2021 auf etwa 155 Prozent. Diese Quote ragt im Vergleich der vergangenen zehn Jahre deutlich negativ hervor, wobei es seit 2011 nur zwei Jahre gab, in denen die Schaden-Kosten-Quote unter 100 Prozent lag. 

Neben den Schäden in Deutschland gab es weltweit ebenfalls zahlreiche Naturereignisse, die nach Aussage der Munich Re, des weltweit größten Rückversicherers, mit einem geschätzten Schadenaufwand von 120 Milliarden US-Dollar das Jahr 2021 zum „zweitteuersten Naturkatastrophenjahr bisher“ gekürt haben. Der Hurrikan „Ida“ in den USA hatte mit 36 Milliarden US-Dollar versicherten Schäden den höchsten Anteil an der Gesamtschadensumme. Angesichts dieser Gesamtsituation erwarten international tätige Versicherer keinen Ausgleich durch unterschiedliche Geschäftsergebnisse der regionalen Einheiten. 
 

Andere Rahmenbedingungen beeinflussen die Gesamtsituation 

Zusätzlich wirken sich andere Gegebenheiten negativ auf die wirtschaftliche Situation aus. Die Folgen der COVID-19-Pandemie halten in einigen Wirtschaftsbereichen unverändert an, der Krieg in der Ukraine führt zu einem unermesslichen persönlichen Leid, ruft aber mit Lieferausfällen, Sanktionswirkungen, Anhebungen der Energiepreise etc. auch deutliche Störungen der Weltwirtschaft hervor. Dies geht einher mit einem Anstieg der Inflation, wie wir ihn seit den 1970er Jahren nicht mehr zu verzeichnen hatten. 

Die Preissteigerungen bei Baukosten oder bei den Aufwendungen für Investitionsgüter wirken sich 1:1 auf die Prämien in der Sachversicherung aus. Denn Prämiengrundlage sind die Versicherungssummen, die zumeist zum Neuwert vereinbart werden. Um nicht durch die Preisentwicklung in eine schleichende Unterversicherung zu geraten, werden die Versicherungssummen jährlich um einen Faktor, den das Statistische Bundesamt veröffentlicht, angepasst. Im letzten Jahr betrug die Anpassung rund zehn Prozent für Gebäude und etwa fünf Prozent für die Einrichtung. Bei unveränderter Lage wird die Steigerung für das nächste Jahr bei annähernd 20 Prozent für Gebäude und fast 10 Prozent für Inventar liegen. Selbst wenn die Prämiensätze unverändert bleiben, ergibt sich hierdurch eine Prämienanhebung in der Sachversicherung von durchschnittlich 15 Prozent. Ob die Versicherer ihren Prämienbedarf mit den zu erwartenden Prämienmehreinnahmen durch die Preissteigerung „verrechnen“, bleibt abzuwarten. 
 


In der anstehenden Markterneuerungsphase können gut aufgestellte Unternehmen neue Möglichkeiten für sich nutzen.  



Versicherungssummen steigen an

Die wachsenden Versicherungssummen werden weitere Auswirkungen haben: Wird der mögliche Höchstschaden von den Versicherern auf Basis der Summen kalkuliert, werden im Einzelfall sicherlich Kapazitätsgrenzen überschritten, welche die Versicherer zu einer Reduzierung ihres Zeichnungsanteils bewegen werden. Sind Haftungsbegrenzungen vereinbart, so wird geprüft werden müssen, ob diese bis zu einer ausreichenden Deckung angehoben werden sollten. 

Diese Situation führt insgesamt zu einem erhöhten Bedarf an Kapazitäten. Insbesondere bei Versicherungsverträgen für große Unternehmen wird die Komplettierung des Versicherungsschutzes erneut herausfordernd werden. 

Mit dieser Situation gewinnt die „richtige“ Versicherungssumme, also einerseits keine Unterversicherung einzugehen und andererseits nicht zu viel Prämie zu bezahlen, eine deutlich größere Bedeutung. War man bisher mit Steigerungen von unter drei Prozent noch im Bereich der „Marginalien“ unterwegs, so erfordern Anhebungen von über zehn Prozent schon ein deutlich größeres Augenmerk. Sofern Unsicherheiten über die derzeitige Versicherungssumme bestehen, sollte eine genauere Überprüfung, gegebenenfalls durch geeignete Sachverständige, vorgenommen werden, damit die Basis fundiert ermittelt wird. 
 

Preissteigerung und Lieferengpässe wirken sich auf der Schadenseite aus 

Die erhöhten Baupreise und ansteigenden Aufwendungen für Investitionsgüter werden die Schadenaufwendungen insgesamt verteuern. Davon dürften neu eintretende Schäden genauso betroffen sein wie noch nicht abgeschlossene Wiederherstellungen – insbesondere aus den Überschwemmungsereignissen des vergangenen Jahres. Denn hier werden die üblicherweise mitversicherten Preissteigerungen zu einem höheren Aufwand führen. Sicherlich werden einzelne Versicherer ihre Reserven für diese Schäden nach oben anpassen müssen. 

Davon abgesehen werden Engpässe bei der Beschaffung von Materialien einen erheblichen Einfluss auf die Wiederherstellungsdauer ausüben und damit in den meisten Fällen auch zu einem deutlich höheren Ausfallschaden führen. Eine vollständige Absicherung dieser Schäden ist jedoch nur dann möglich, wenn die Betriebsunterbrechungsversicherung mit einer ausreichenden Haftzeit vereinbart wurde. Unternehmen, die sich bisher mit Haftzeiten von 12 oder 18 Monaten umfänglich abgesichert fühlten, sollten eine Ausweitung ernsthaft in Erwägung ziehen. Die Nachfrage nach längeren Haftzeiten führt aber wiederum zu einer Vergrößerung der erforderlichen Kapazitäten. 

Lieferverzögerungen sind das eine; bei einigen Gütern ist sogar ein Komplettausfall zu verzeichnen, der unter anderem durch den Russland-Ukraine- Krieg oder die Sanktionsauswirkungen hervorgerufen wird. Einige Unternehmen stellen nunmehr sehr schmerzhaft fest, welche Abhängigkeiten sie in der Vergangenheit eingegangen sind. Kurzfristige Änderungen der Situation sind kaum möglich. Eine intensive Analyse der Lieferkettenthematik ist daher allen Unternehmen zu empfehlen. Bei dieser Aufgabenstellung unterstützen Sie unsere Expertinnen und Experten gern.
 


Wirtschaftliche Verschiebungen und der Krieg in der Ukraine verändern die Versicherungsbedingungen. 



Einschränkungen des Versicherungsschutzes für bestimmte Länder 

Neben den beschriebenen wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine reagieren die Versicherer – im Einklang mit den Sanktionen – mit dem Ausschluss der Risiken in Russland und Belarus. Für die kommenden Verlängerungen von internationalen Versicherungsprogrammen werden dort gelegene Risiken lediglich über den russischen Markt zu versichern sein, ohne die Möglichkeit einer zusätzlichen Differenzdeckung beziehungsweise Financial Interest Clause aus der deutschen Masterpolice. Für in der Ukraine belegene Objekte haben die Versicherer angekündigt, im Einzelfall geeignete Lösungen bereitstellen zu wollen. 
 

Auswirkungen auf den Versicherungsmarkt 

Die zuvor geschilderten Veränderungen in den Rahmenbedingungen zeigen Folgen im Versicherungsmarkt. Die Rückversicherer haben die Preise für die Übernahme von Elementarrisiken für Portfolien mit Schwerpunkten in Deutschland deutlich angehoben. Diese Preisentwicklung werden die Erstversicherer über höhere Prämien weitergeben wollen. Auch werden die Erstversicherer ihre Kapazitäten, die insbesondere für Überschwemmung zur Verfügung gestellt werden, noch einmal kritisch unter die Lupe nehmen. Es ist damit zu rechnen, dass für einzelne Standorte künftig geringere Limitierungen angeboten werden. Diese Lücke wird in Einzelfällen sicherlich durch geeignete Layer-Lösungen geschlossen werden können, allerdings zu deutlich höheren Prämien. Bei der Suche nach hierfür geeigneten Märkten verfügen wir über ausgezeichnete – auch internationale – Kontakte, und in Kooperation mit dem Rückversicherungsmakler Ecclesia Reinsurance- Broker GmbH aus unserer Unternehmensgruppe über sehr gute Alternativen, um die eventuell entstehenden Deckungslücken schließen zu können. 

Darüber hinaus werden sich die Versicherer aus einzelnen Branchen aufgrund einer Neuausrichtung im Hinblick auf die Nachhaltigkeit zurückziehen und insbesondere für Energieunternehmen, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten, keinerlei Versicherungsschutz mehr zur Verfügung stellen. Ob diese Versicherer in gleichem Maße erneuerbare Energien oder Technologien mit erforderlichem Versicherungsschutz unterstützen werden, ist eine derzeit noch unbeantwortete Frage.

Eine aktuell festzustellende „Zurückhaltung“ der Risikoträger könnte in der Entwicklung befindliche, neue technische Lösungen behindern (siehe Technische Versicherungen im Anschluss). Es ist daher zu hoffen, dass die Versicherer ihren Beitrag auch in dieser Hinsicht leisten, wenn das Thema Nachhaltigkeit insgesamt deutlich stärker die jeweiligen Entscheidungen beeinflussen soll. 
 

Ausblick 

Im vergangenen Jahr haben wir eine fast flächendeckende Anhebung der Prämien verzeichnen müssen; bei den anstehenden Vertragsverlängerungen ist ein deutlich selektiveres Vorgehen der Versicherer zu erwarten. Auch wenn ein Versicherer mit einer in der Presse als „Rasenmäher-Methode“ bezeichneten Ankündigung von Prämienerhöhungen agiert, dürften andere Risikoträger sich anders positionieren. Sicherlich wird es Forderungen nach Prämienanhebungen geben. Sie werden aller Voraussicht nach jedoch nur bestimmte Risiken betreffen und im Hinblick auf die Steigerungsraten im Durchschnitt deutlich moderater ausfallen als in den vergangenen Jahren. 

Bestimmte Risiken in Branchen, die von den Versicherern als „schwer“ oder „schwierig“ bezeichnet werden, stehen unverändert im Fokus. Für derartige Unternehmen bleibt es eine Herausforderung, die Komplettierung der erforderlichen Kapazitäten zu akzeptablen Konditionen zu erhalten. Maßnahmen, die eine aktive positive Gestaltung des Risikos verdeutlichen, werden die Verhandlungen sicherlich effektiv beeinflussen. 

Unternehmen mit einem wenig auffälligen Schadenverlauf in nicht als kritisch betrachteten Industriebranchen werden die Möglichkeit zur unveränderten Vertragsfortführung erhalten. Dabei werden sich auch Optionen ergeben, diese Konditionen mit einer Mehrjahreslaufzeit des Versicherungsvertrages für die mittelfristige Zukunft zu sichern.  
 


Ihre deas-Lösung 

Bei den anstehenden Verlängerungsverhandlungen greifen wir auf langjährige Erfahrung und auf ein eingespieltes Team zurück. Um den höchstmöglichen Kundennutzen zu erzielen und den individuell notwendigen Versicherungsschutz zu besten Bedingungen und Preisen einzukaufen, bereiten wir die Verhandlungen frühzeitig vor. Unsere Kunden profitieren von dem vielfältigen Know-how unseres Rückversicherungsmaklers Ecclesia Re sowie der internationalen Kolleginnen und Kollegen, insbesondere im Londoner Versicherungsmarkt. Als deas-Kunde können Sie auf die umfassende Kompetenz der Ecclesia Gruppe, des größten deutschen Versicherungsmaklers für Unternehmen und Institutionen, zurückgreifen und damit sicher sein, dass wir für Ihre Erfordernisse bestmögliche Lösungen finden. Dieses Vorgehen hat sich vielfach ausgezahlt und bewährt, wobei wir immer versuchen, Gutes weiter zu optimieren – mit der Unterstützung aus allen Bereichen.

Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung.
Thomas Hergarten, Leiter Sach-/Ertragsausfall

 

 


 

TECHNISCHE VERSICHERUNGEN

Stabilität in schwierigen Zeiten

Die Prämieneinnahmen der Versicherer in den technischen Versicherungen in Deutschland liegen nach den vorläufigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft bei etwa 2,5 Milliarden Euro. Dies ist im Vergleich zu 2020 eine Erhöhung um 2,5 Prozent. Das Wachstum fällt damit etwas geringer aus als in den vorangegangenen Jahren. Der Schadenaufwand beläuft sich (vor Abwicklungsgewinnen) auf ca. 1,5 Milliarden Euro. Diese Kennziffer liegt damit um 15 Prozent höher als 2020. Im Jahr 2020 betrugen die Schadenzahlungen 1,35 Milliarden Euro. Die Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 82,1 Prozent auf ca. 85 Prozent.

Trotz des etwas schlechteren Ergebnisses für die Versicherer bringt diese Entwicklung weiterhin stabile und attraktive Prämienkonditionen und einen überwiegend guten Wettbewerb mit sich. Ein leicht steigender Prämientrend ist allerdings in der Bauleistungsversicherung zu erkennen.

 

Marktsituation und Rückblick

Abweichend zu anderen Sparten, wie der Sach-, D&O- oder Cyberversicherung, ist der Markt der technischen Versicherungen weitestgehend stabil. Eine Vielzahl von Versicherern definieren diese Deckungen als Zielsegment und sorgen mit attraktiven Konditionen für einen guten Wettbewerb. Einzig im Bereich der Bauleistungsversicherung sehen wir einen leichten Trend zur Prämiensteigerung, getrieben durch etwas schlechtere Schadenquoten. In Einzelfällen, insbesondere bei Großprojekten oder großen Umsatzverträgen, sind aber auch hier sehr attraktive Konditionen verhandelbar.

Die hauseigenen Versicherungsbedingungen sind auch weiterhin sehr kundenfreundlich verhandelbar und sorgen damit für eine sehr gute Absicherung im Schadenfall. Vereinzelt wurden wir mit Forderungen der Versicherer zur Akzeptanz von Ausschlüssen von Cyber-Folgeschäden (sogenannten Silent-Cyber-Schäden) und Pandemie-Folgeschäden konfrontiert. In den meisten Fällen haben wir solche Deckungseinschränkungen vermeiden können. Wo das nicht möglich war, wurden sie nur klarstellend eingeführt und hatten keine substanziell negativen Auswirkungen. In Gänze durchgesetzt haben sich diese Deckungseinschränkungen zudem nicht. Wir werden natürlich weiterhin alles tun, um derartige Einschränkungen für unsere Kunden zu vermeiden oder die negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Die Nachfrage nach Projektversicherungen war im Jahr 2021 anhaltend hoch. Das Bauvolumen in Deutschland erreichte einen Wert in Höhe von rund 482 Milliarden Euro und lag damit über den Leistungen der Vorjahre. Damit einher gingen aber auch negative Effekte wie die stark gestiegenen Baukosten und lange Beschaffungszeiträume durch Materialengpässe.

Zwei weitere Trends aus dem Jahr 2021 werden sich ebenfalls fortsetzen: Zu beobachten ist, dass insbesondere die großen Industrieversicherer die Spezialisierung nach Branchen forcieren. So entstehen separate Bereiche, zum Beispiel für Energy, Erneuerbare Energien, Power oder Construction. Hier wird teilweise die oft strenge Spartentrennung der Versicherer aufgehoben.

Außerdem wächst der Informationshunger der Versicherer im Rahmen der Ausschreibungen zusehends. Die Anforderungen an die Qualität der benötigten Informationen werden höher, und die Zeiträume bei der Angebotsabgabe verlängern sich. Oft geben Versicherer nur noch unverbindliche Indikationen ab, die dann im Nachgang langwierig nachverhandelt werden müssen. Nicht selten kommen in dieser Phase noch Forderungen hinzu, die in der Ausschreibung nicht angesprochen wurden. Auch das Thema der Führungs- und Engineering Fee gewinnt an Bedeutung. Hier geht es um Gebühren, die die Versicherer im Innenverhältnis für administrative Arbeiten verrechnen und die zusätzlich auf die Prämien aufgeschlagen werden.

Die Absicherung von Energieerzeugungsunternehmen, die auf Basis fossiler Brennstoffe arbeiten, ist nach wie vor sehr schwierig. Das gilt insbesondere für Kohlekraftwerke. Die Versicherer verfolgen Strategien zu einer nachhaltigen Wirtschaftsform und stellen daher für diese Unternehmen keinen Versicherungsschutz mehr zur Verfügung, trotz der objektiv noch gegebenen Notwendigkeit der Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Energie aus diesen Quellen. Dies gilt sowohl für Erst- als auch für Rückversicherer.

Hier sollte sich die Assekuranz zumindest bis zu den politisch fixierten Fristen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Ob sich dieser Trend allerdings angesichts der aktuellen politischen Gegebenheiten weiter so fortsetzt, bleibt abzuwarten.

 

Erneuerbare Energien

Aufgrund der politischen Entwicklungen wie dem Ukrainekrieg und der Notwendigkeit, dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, wird sich der Trend weg von den konventionellen Energien, hin zu den erneuerbaren Energien weiter verstärken. Die Rahmenbedingungen, insbesondere für die Errichtung von Windenergieanlagen, werden sich verbessern (müssen), damit die Ziele erreicht werden können.

Dies birgt die Chance für die Assekuranz, im Rahmen der Absicherung dieser Anlagen von dem Trend zu profitieren. Wir bieten hier, insbesondere für die Photovoltaik und Windenergie onshore, attraktive und weit über dem Marktdurchschnitt liegende Produkte und Dienstleistungen an.

Nach den Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung, das heißt dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, witterungsbedingt nach 50 Prozent im Jahr 2020 auf 45,7 Prozent gesunken. Die Windkraft war mit einem Anteil von 23,1 Prozent an der Stromerzeugung wieder die wichtigste Energiequelle, erzeugte aber ca. zwölf Prozent weniger Strom als 2020.

Photovoltaik

Die deutschen Photovoltaikanlagen erzeugten 2021 etwa 48,4 TWh, wovon ca. 44,6 TWh ins öffentliche Netz eingespeist und 3,8 TWh selbst verbraucht wurden. Der Zubau von 4,9 Gigawatt erhöhte die installierte Leistung auf etwa 58,6 Gigawatt (Stand November 2021). Von März bis August war die monatliche Stromerzeugung von Photovoltaikanlagen höher als die von Steinkohlekraftwerken und von April bis Oktober höher als die von Gaskraftwerken.

In den vergangenen Jahren erleben wir eine Renaissance der Photovoltaik. Viele neue Anlagen, sowohl Boden- als auch Dachanlagen, entstehen und sorgen damit natürlich auch für einen Absicherungsbedarf der Sachwerte und Ertragsausfälle.

Hier hat sich ein weitestgehend stabiler Versicherungsmarkt auf immer noch gutem Prämienniveau herausgebildet. Bei einigen Versicherern wird das Zeichnungsverhalten etwas restriktiver. Die Sicherheitsanforderungen der Versicherer, vor allem nach einem adäquaten Diebstahlschutz für Bodenanlagen, sind weiterhin auf hohem Niveau.

 

Wind

Die Erzeugung von Strom aus Windenergie nahm im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um rund 14 Prozent ab. Der Grund lag in vergleichsweise schlechten Windverhältnissen, insbesondere im ersten Quartal des Jahres. Dabei fiel der Rückgang bei Wind an Land mit 15 Prozent deutlicher aus als auf See mit 11 Prozent. Auch der Zubau an Windenergieanlagen konnte für keinen Ausgleich der schlechten Windverhältnisse sorgen. Zwar nahm der Zubau an Land im Vergleich zum Vorjahr zu, blieb jedoch auf niedrigem Niveau und damit deutlich hinter den Ausbauzielen zurück.

 


Der Markt der technischen Versicherungen ist weitestgehend stabil.



Vor allem für Anlagen mit Vollwartungsverträgen steht eine Vielzahl von Versicherern zur Verfügung, die sich in diesem Segment engagieren. Seit einiger Zeit gehen einige Versicherer sogar dazu über, hier generelle Neuwertdeckungen anzubieten. Da allerdings die Bestände der einzelnen Versicherer aufgrund des nur noch geringen Zuwachses an neuen Windenergieanlagen zunehmend älter werden, steigt die Schadenerwartung, was zur Anpassung von Prämien und Bedingungen führen könnte.

Deutlich schwieriger zu vermarkten sind Altanlagen beziehungsweise Bestandsanlagen. Hier verhalten sich die Versicherer weiterhin erheblich restriktiver, und es bedarf einer eingehenden Analyse über Wartungsprotokolle beziehungsweise zustandsorientierte Gutachten.

Für Deckungen außerhalb Deutschlands hat sich eine leichte Verhärtung des Versicherungsmarktes eingestellt.

 

Holz und Wärme

Der Holzverbrauch der Privathaushalte ist aufgrund der vergleichsweise kühlen Witterung im Jahr 2021 kräftig gestiegen (das gilt insbesondere für Scheitholz und Pellets). Auch die Wärmegewinnung aus Geothermie und Umweltwärme (Wärmepumpen) nahm weiter zu, während bei der Solarthermie witterungsbedingt ein Rückgang zu verzeichnen war. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Wärmeverbrauch ist von 15,3 auf 16,5 Prozent angestiegen.

Für die Absicherung derartiger Anlagen stehen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung, insbesondere durch die bereits oben beschriebene neue Segmentierung bei den Versicherern.

 

Biodiesel

Im Verkehrsbereich ist der Absatz von Biodiesel nach einem kräftigen Anstieg im Vorjahr wieder deutlich um rund 16 Prozent auf 2,4 Millionen Tonnen zurückgegangen. Der Absatz von Bioethanol hingegen verzeichnete ein Plus von fünf Prozent auf knapp 1,1 Millionen Tonnen. Der Absatz von Elektroautos stieg im Jahr 2021 weiter deutlich an – 26 Prozent aller Neuwagen hatten einen Elektroantrieb, mehr als die Hälfte davon waren reine batterieelektrische Fahrzeuge. Aufgrund des gesunkenen EE-Anteils im Strommix lag jedoch der Verbrauch von erneuerbarem Strom im Verkehrsbereich nur geringfügig über dem Vorjahresniveau. Insgesamt ging der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehr von 7,6 auf 6,8 Prozent zurück.

Da die Biodieselanlagen bei den Versicherern mehrheitlich dem Segment Chemie zugeordnet werden, ist die Absicherung schwierig und mittlerweile nur mit vergleichsweise kleinen Kapazitäten der Versicherer und großen Selbstbehalten für die Kunden zu erreichen.

 

Marktentwicklung

Der im Jahr 2022 begonnene Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen des Westens gegen Russland und Belarus beeinträchtigen auch das Geschäft der technischen Versicherungen. Begonnene Projekte geraten ins Stocken, neue Projekte sind auf Eis gelegt beziehungsweise werden wohl auf längere Sicht in Russland nicht mehr realisiert werden.

 


Trotz Krieg in der Ukraine bleibt der Markt der technischen Versicherungen wettbewerbsorientiert.



Unabhängig davon erwarten wir für das Jahr 2023 bei den technischen Versicherungen wieder für alle Bereiche einen weitestgehend stabilen, wettbewerbsorientierten Versicherungsmarkt – auch auf Basis der immer noch guten Ergebnisse der Versicherer. Vor allem in der klassischen Maschinen- und Elektronikversicherung gibt es eine Fülle von Anbietern und attraktive Preise und Konditionen für unsere Kunden.

Im Segment der Bauleistungs- und Montageversicherungen sind stabile Marktverhältnisse zu erwarten, mit einer leichten Verhärtung im Bereich der Bauleistungsversicherung. Nach den Prognosen der Bauwirtschaft wird die Anzahl der Projekte wieder steigen und Investitionen werden nachgeholt, jedoch werden die Preisentwicklung und die tendenziell steigenden Zinsen eine dämpfende Wirkung haben.

 

Fazit

Der Versicherungsmarkt für die erneuerbaren Energien ist auch für 2023 weitestgehend unverändert. Kapazitäten sind grundsätzlich genügend vorhanden. Die Konditionen bleiben stabil. Schwierig wird die Absicherung der konventionellen Energieversorger, insbesondere der Unternehmen, die das Geschäft mit der Kohleverstromung betreiben. 
 


Ihre deas-Lösung

Kundennutzen und qualitative Marktführerschaft sind Teil unseres Gesellschafterauftrags und somit Ziel sowie Ansporn für die tägliche Arbeit. Weitgehende und über dem Marktdurchschnitt liegende Produkte für die Technischen Versicherungen wie auch eine fundierte Risikoanalyse durch unsere Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Schadenspezialistinnen und Schadenspezialisten sorgen dafür, dass wir unseren Kunden eine optimale Dienstleistung und vor allem besten Service im Schadenfall anbieten können. Unterstützt von unserem Rückversicherungsmakler Ecclesia Re, dem Assekuradeur EGAS, dem Zugang zu den britischen Versicherungsmärkten und unserem internationalen Netzwerk verfügen wir über alle Mittel und Möglichkeiten, um das gesamte Marktspektrum für unsere Kunden nutzbar zu machen. So können wir auch für schwierige Risiken gute Konditionen anbieten.


Für Fragen stehe ich gern zur Verfügung.
Andreas Potzelt, Leiter Technische Versicherungen

Diesen Beitrag teilen