Übergreifend

Unterbringung Geflüchteter aus der Ukraine

Versicherungsschutz grundsätzlich gewährleistet

Immer mehr Anfragen unserer Kunden betreffen derzeit den Versicherungsschutz bei der Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge. Denn die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung in Deutschland ist ungebrochen groß. In Privatwohnungen werden Menschen untergebracht, genauso auch in ehemaligen Hotels oder nicht genutzten Industrie- und Messehallen, Sporthallen oder zahlreichen anderen Gebäuden. Wie steht es dabei um den Versicherungsschutz?

Gebäudeversicherung: Im Zweifel das Gespräch suchen

Unser Auftrag ist es, auch in diesen Fällen das Vermögen unserer Kunden bestmöglich vor Schäden zu schützen. Daher haben unsere Sachversicherungsspezialistinnen und -spezialisten analog zur großen Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015 bis 2019 die wesentlichen Versicherer angeschrieben und um ihre Stellungnahme gebeten. Aus den bisher vorliegenden Antworten geht hervor, dass die Risikoträger grundsätzlich sehr kulant darauf reagieren, wenn Gebäude für eine Übergangszeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden, und damit ihre Solidarität mit dem Schicksal dieser Menschen unter Beweis stellen.

Wenn Geflüchtete eine Unterbringung in Gebäuden finden, die auch bisher als Unterkunft oder Wohnung für Menschen vorgesehen waren, hat dies in der Regel keinen Einfluss auf den Versicherungsschutz. Denn in diesem Fall findet keine Umwidmung des Gebäudes statt, mit der eine Verschlechterung der Risikosituation verbunden wäre.

In Nuancen unterschiedlich fallen die Stellungnahmen der Assekuranz aus, wenn bisher anders genutzte Gebäude umgewidmet werden, also zum Beispiel aus einer Lagerhalle eine Unterkunft wird. Auch in diesen Fällen steht grundsätzlich nicht in Frage, dass Versicherungsschutz gegeben oder zu erlangen ist, manche Versicherer benötigen aber zusätzliche Informationen.

Daher raten wir unseren Kunden, grundsätzlich das Gespräch mit ihrer jeweiligen deas-Kundenberaterin oder ihrem deas-Kundenberater zu führen. Sie können genaue Auskunft über den Einzelfall geben und übernehmen gegebenenfalls die weitere Kommunikation in Richtung Versicherer, damit dort die Situation richtig verstanden und eingeschätzt wird.

Haftpflichtversicherungsschutz: Unsere Spezialkonzepte bieten hohe Sicherheit

Schon zu Zeiten der früheren Flüchtlingsbewegung hat unsere Unternehmensgruppe speziell auf diesen Fall zugeschnittene Betriebshaftpflichtkonzepte entwickelt. Sie decken die unterschiedlichen Konstellationen einer Unterbringung Schutzbedürftiger im Hinblick auf die Haftpflicht ab. Auch hier gilt: Waren die Gebäude bereits zuvor als Unterkunft oder Wohnung von Menschen vorgesehen, ergeben sich in der Regel keine Risikoänderungen. Wurden die Gebäude zuvor anders genutzt und werden jetzt vorübergehend umgewidmet, sollte das Vorhaben sicherheitshalber bei uns angezeigt werden. Auch in diesem Fall stellen die deas-Mitarbeitenden die Kommunikation mit dem jeweiligen Risikoträger sicher.

Aufnahme in Privathaushalten

Etwas differenzierter ist die Situation zu betrachten, wenn Geflüchtete in Privathaushalten aufgenommen werden. Grundsätzlich werden sie wie ein weiteres Familienmitglied in die Privathaftpflicht des Haus- oder Wohnungsinhabers integriert. Damit deckt die Privathaftpflicht dann auch die Schadenersatzansprüche Dritter, sollten beispielsweise die Kinder einer geflüchteten Familie beim Spielen mit dem Ball die Fensterscheibe des Nachbarn treffen. Natürlich ist auch der gewählte Tarif der eigenen Privathaftpflicht ausschlaggebend, sodass bei einer Familienhaftpflicht die Mitversicherung grundsätzlich möglich ist; bei einer Single-Privathaftpflicht muss dies aber unbedingt im Vorfeld mit dem Versicherer geklärt werden.

Eigenschäden am Eigentum des Gastgebers werden grundsätzlich nicht von der Privathaftpflicht übernommen. Eine erste Versicherung hat jetzt aber angekündigt, auch hier Solidarität mit der Bevölkerung zu üben. Bis zu einem bestimmten Limit werden Eigenschäden übernommen, die von schutzbedürftigen Menschen am Eigentum der Versicherten verursacht worden sind. Wir hoffen, dass sich weitere Risikoträger genauso verhalten werden.

Große Fluchtbewegung

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind rund 4,2 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, seit die russische Armee am 24. Februar einmarschiert ist (Stand: 3. April). Da Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land wegen der Generalmobilmachung nicht verlassen dürfen, handelt es sich dabei vor allem um Frauen und Kinder. Polen hat allein schon mindestens 2,4 Millionen Menschen aufgenommen. Mehr als 280.000 Geflüchtete sind bisher in Deutschland registriert worden. Die tatsächliche Zahl könnte aber höher liegen, weil sich Ukrainerinnen und Ukrainer mit ihrem Pass für 90 Tage frei im Schengen-Raum der EU bewegen können.

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