Übergreifend

Vertrauen als Angriffsziel

Vertrauen gehört zu den wichtigsten Grundlagen unternehmerischen Handelns. Täglich werden Entscheidungen auf Basis vermeintlich verlässlicher Informationen getroffen, Zahlungen freigegeben oder sensible Daten weitergegeben. Genau dieses Vertrauen rückt jedoch zunehmend in den Fokus professioneller Täter. Statt technische Sicherheitsbarrieren zu überwinden, manipulieren sie gezielt Menschen – mit zum Teil erheblichen finanziellen Folgen.

Dass sich die Wirtschaftskriminalität spürbar verändert, zeigt unter anderem das aktuelle Bundeslagebild Cybercrime 2025 des Bundeskriminalamts. Die Behörde registrierte im vergangenen Jahr 333.922 Cybercrime-Delikte und beschreibt eine zunehmende Professionalisierung der Täter. Künstliche Intelligenz trägt maßgeblich dazu bei, Täuschungsversuche effizienter, glaubwürdiger und schwerer erkennbar zu machen. Phishing-Nachrichten wirken authentischer, Kommunikationsstile lassen sich täuschend echt imitieren und selbst Stimmen oder Videobotschaften können manipuliert werden. 

Diese Entwicklung beschreibt jedoch nicht das eigentliche Risiko eines Vertrauensschadens. Digitale Technologien bilden vielmehr den Handlungsraum, in dem Täter agieren. Der wirtschaftliche Schaden entsteht häufig erst dann, wenn Menschen manipulierten Informationen vertrauen und dadurch zu vermögensrelevanten Entscheidungen verleitet werden. Nicht die Technologie selbst ist das Risiko; sondern der Missbrauch von Vertrauen.

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen nehmen weiter zu. Nach der Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ des Digitalverbands Bitkom beläuft sich der jährliche Schaden durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage inzwischen auf 289,2 Milliarden Euro. Die Studie macht zugleich deutlich, dass digitale Angriffe und wirtschaftskriminelle Handlungen zunehmend ineinandergreifen. Digitale Kommunikationswege werden immer häufiger genutzt, um Vertrauen auszunutzen und finanzielle Schäden herbeizuführen.

Dass sich diese Entwicklung zunehmend in den Unternehmen bemerkbar macht, bestätigt auch die KPMG-Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2025/2026“. Demnach bewerten 71 Prozent der befragten Unternehmen das Risiko KI-gestützter Betrugsformen inzwischen als hoch oder sehr hoch. Moderne Technologien verändern damit nicht nur die Werkzeuge der Täter, sondern erhöhen auch die Glaubwürdigkeit ihrer Täuschungsversuche.

Welche konkreten Folgen diese Entwicklung für das Risikomanagement von Unternehmen hat und warum klassische Kontrollmechanismen allein heute häufig nicht mehr ausreichen, beleuchten wir im Beitrag „Wenn Kontrolle nicht mehr ausreicht“.

Vertrauen kennt viele Angriffspunkte

Vertrauensschäden können sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Unternehmens entstehen. Interne Täter missbrauchen ihre Position beispielsweise durch Unterschlagung, Veruntreuung, Diebstahl oder die Manipulation von Zahlungs- und Buchhaltungsprozessen. Externe Täter setzen dagegen zunehmend auf gezielte Täuschung. Zu den bekanntesten Betrugsformen zählen heute CEO-Fraud, Business E-Mail Compromise (BEC), Social Engineering, Phishing, Identitätsdiebstahl sowie Deepfakes. Gemeinsam ist diesen Angriffen, dass sie nicht primär technische Schwachstellen ausnutzen. Stattdessen zielen sie darauf ab, Vertrauen zu erschleichen und Menschen zu Handlungen zu bewegen, die einen finanziellen Schaden verursachen.

Das Bundeskriminalamt beschreibt CEO-Fraud als eine Betrugsmasche, bei der sich Täter als Mitglieder der Geschäftsleitung oder als vertraute Geschäftspartner ausgeben, um Mitarbeitende zu vermögensrelevanten Handlungen zu bewegen. Häufig werden solche Angriffe sorgfältig vorbereitet und auf öffentlich verfügbare Informationen über Unternehmensstrukturen und Verantwortlichkeiten abgestimmt. 

Digitale Werkzeuge erleichtern den Vertrauensmissbrauch

Noch vor wenigen Jahren ließen sich viele Betrugsversuche an sprachlichen Fehlern oder offensichtlich gefälschten Absendern erkennen. Heute verschwimmen die Grenzen zwischen echter und manipulierter Kommunikation zunehmend. Künstliche Intelligenz ermöglicht es, Texte fehlerfrei zu formulieren, Stimmen zu imitieren und Inhalte individuell auf einzelne Personen zuzuschneiden.

Das Bundeskriminalamt weist darauf hin, dass Künstliche Intelligenz die technischen Möglichkeiten der Täter erheblich erweitert. Phishing-Mails werden überzeugender, Kommunikationsmuster glaubwürdiger und Betrugsversuche gezielter vorbereitet. Entscheidend ist jedoch: Digitale Technologien verursachen keinen Vertrauensschaden. Sie dienen den Tätern als Werkzeug. Der wirtschaftliche Schaden entsteht erst dann, wenn Menschen auf manipulierte Informationen vertrauen und dadurch vermögensrelevante Entscheidungen treffen. Vertrauen wird damit selbst zum Angriffsziel.

Prävention beginnt bei den Menschen

Die zunehmende Professionalisierung der Täter verändert auch das Risikomanagement der Unternehmen. Der Global Economic Crime Survey 2024 von PwC zeigt, dass Unternehmen verstärkt in Risikoanalysen, Compliance-Strukturen und organisatorische Schutzmaßnahmen investieren, um Betrugsrisiken frühzeitig zu erkennen. Technische Sicherheitsmaßnahmen bleiben dabei unverzichtbar. Ebenso wichtig sind jedoch klare Freigabeprozesse, das Vier-Augen-Prinzip, Funktionstrennungen sowie regelmäßige Sensibilisierungsmaßnahmen für Mitarbeitende. Eine wirksame Sicherheitskultur zeichnet sich dadurch aus, dass ungewöhnliche Vorgänge hinterfragt und vermeintlich eindeutige Anweisungen überprüft werden dürfen.

Wer Vertrauensschäden wirksam begrenzen will, sollte technische Sicherheitsmaßnahmen und organisatorische Schutzmechanismen zusammendenken. Digitale Kommunikationswege und Künstliche Intelligenz verändern zwar die Methoden der Täter – der eigentliche Angriff zielt jedoch auf das Vertrauen von Menschen und die Prozesse eines Unternehmens ab.

Vertrauensschäden – typische Erscheinungsformen

Interne Delikte                                                                     Externe Delikte
- Unterschlagung                                                                   - CEO-Fraud
- Veruntreuung                                                                       - Business E-Mail Compromise (BEC)
- Diebstahl                                                                              - Social Engineering
- Bestechung                                                                         -  Phishing
- Manipulation von Zahlungs-                                              - Deepfakes, Identitätsdiebstahl
und Buchhaltungsprozessen  
 

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