Kredit/Finanzierung
Wenn Liquidität zur strategischen Frage wird
Insolvenzen auf Höchststand
Besonders sichtbar wird die Belastung beim Insolvenzgeschehen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Jahr 2025 bundesweit 24.064 Unternehmensinsolvenzen beantragt. Das entspricht einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert zugleich den höchsten Stand seit 2014. Auch die Wirtschaftsauskunftei Creditreform spricht vom höchsten Insolvenzniveau seit mehr als zehn Jahren. Besonders betroffen seien Unternehmen mit hoher Kapitalbindung, steigenden Finanzierungskosten und langen Zahlungszielen.
Die Folgen reichen dabei weit über die unmittelbar betroffenen Unternehmen hinaus. Insolvenzen wirken zunehmend in Liefer- und Wertschöpfungsketten hinein, erhöhen Forderungsausfälle und verschärfen den Druck auf Liquidität und Finanzierung. Gerade in wirtschaftlich volatilen Marktphasen kann bereits der Ausfall einzelner Geschäftspartner erhebliche Auswirkungen auf Zahlungsströme und operative Prozesse haben.
Finanzierung bleibt anspruchsvoll
Hinzu kommt: Der Zugang zu Finanzierungen bleibt anspruchsvoll. Laut KfW berichteten im ersten Quartal 2026 rund 34 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen von restriktivem Verhalten der Banken bei Kreditverhandlungen. Gleichzeitig liegt die Nachfrage nach klassischen Bankkrediten weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt. Viele Unternehmen agieren zurückhaltend – nicht zuletzt aufgrund gestiegener Zinsen, unsicherer Absatzentwicklungen und zunehmender Anforderungen an Bonität und Sicherheiten.
Damit verändert sich auch die Rolle von Finanzierung im Unternehmen. Sie ist längst nicht mehr nur eine Frage günstiger Konditionen, sondern zunehmend ein strategischer Stabilitätsfaktor. Entscheidend wird, ob Liquidität dauerhaft planbar bleibt, ausreichende Handlungsspielräume bestehen und Risiken frühzeitig abgefedert werden können.
Alternative Finanzierungsformen gewinnen an Bedeutung
Klassische Bankkredite bleiben weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensfinanzierung. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Unternehmen ihre Finanzierungsstruktur zunehmend breiter aufstellen müssen. Nach Einschätzung der KfW gewinnen ergänzende Finanzierungsformen deutlich an Bedeutung – insbesondere dort, wo Unternehmen flexibel auf Marktveränderungen reagieren oder ihre Bilanzstrukturen entlasten müssen.
Dazu zählen beispielsweise Factoring, Leasing, Warenkreditversicherungen oder strukturierte Finanzierungslösungen. Sie können helfen, Liquidität schneller verfügbar zu machen, Forderungsausfälle besser abzusichern und die Abhängigkeit von einzelnen Finanzierungsquellen zu reduzieren. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten geht es dabei nicht nur um zusätzliche Finanzierungsspielräume, sondern um die Fähigkeit, auch unter erschwerten Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben.
Finanzierung strategisch neu denken
Die aktuelle Entwicklung macht deutlich: Unternehmen müssen Finanzierung, Liquiditätssteuerung und Risikomanagement heute stärker zusammendenken als noch vor wenigen Jahren. Wer frühzeitig auf belastbare und diversifizierte Finanzierungsstrukturen setzt, schafft die Grundlage für Stabilität – und erhöht die eigene Widerstandsfähigkeit in einem zunehmend volatilen Marktumfeld.