Gebäude/Inventar/Vorräte

Sachversicherung: Kriegsschäden sind nicht versichert

Ein sehr alter Ausschluss erhält plötzlich wieder neue Bedeutung

Für die Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung schien die Thematik Krieg, obzwar einer der „absoluten“ vertraglichen Ausschlusstatbestände, zuletzt in vielerlei Hinsicht schon sehr weit weg zu sein. Wahrzunehmen war sie nur noch, wenn Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurden und drohten, Schaden anzurichten; oder als einschränkende Sanktion gegenüber anderen Ländern (zum Beispiel gegenüber dem Iran). Ohne Rücksicht auf mitwirkende Ursachen erstreckt sich die Versicherung nicht auf Schäden durch Krieg, kriegsähnliche Ereignisse, Bürgerkrieg, Revolution, Rebellion oder Aufstand. Der Ausschluss greift, wenn ein für einen ansonsten versicherten Sachschaden adäquat ursächliches oder mitursächliches Ereignis vorliegt, das so, wie es sich verwirklicht hat, ohne Krieg nicht eingetreten wäre.

Der Ausschluss rührt letztlich von der mit einem Krieg verbundenen Gefahrerhöhung für das Einzelrisiko und der damit steigenden Kumulationswahrscheinlichkeit für den Versicherungsbestand der Erst- und Rückversicherer her. Insofern ist er nicht nur für wirtschaftliche Existenz der einzelnen Versicherer legitim, sondern auch für die Erhaltung der sozialen Funktion von Versicherung in Staat und Gesellschaft sinnvoll.

Unmittelbar betroffen sind hiervon Unternehmen, die im Kriegsgebiet Produktionsstätten, Läger oder Büros besitzen oder betreiben und deren versicherte Gebäude, Anlagen und Vorräte durch die Kriegshandlungen selbst oder als deren Folge beschädigt oder zerstört werden. Aufgrund der internationalen Arbeitsteilung und den damit einhergehenden Lieferkettenbeziehungen können (und sind es schon) auch Unternehmen in Deutschland betroffen sein, die selbst keinen Sachschaden erleiden. Die negativen Auswirkungen eines kriegsbedingten Sachschadens beim Zulieferer oder Abnehmer (Rückwirkungsschaden) auf die Ertragslage des deutschen Unternehmens unterfallen ebenfalls dem Ausschluss. Zeitlich gilt der Ausschluss auch über das Ende der eigentlichen Kriegshandlungen hinaus. Auch danach sind die sogenannten Spätschäden als adäquate Kriegsfolgen – etwa durch unentdeckte Sprengladungen oder Minen – noch für eine sehr lange Zeit ausgeschlossen.

Weitere gravierende Auswirkungen sind auch durch die infolge des militärischen Überfalls Russlands in die Ukraine erlassenen internationalen Sanktionen zu erwarten. Insofern hiervon die Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung betroffen sein wird, gehen wir den damit verbundenen Fragestellungen nach und informieren Sie zeitnah. 

Wenn Sie Fragen zu diesen Themen haben, sprechen Sie uns jederzeit gern an.

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